Deckenpfronn Maut, steigende Spritpreise und ab 1. Januar auch noch ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen in Stuttgart: Wer Güter auf der Straße transportiert, hat es derzeit nicht leicht. "Der Luftreinhalteplan ist eine Maßnahme mit rein politischem Hintergrund", ärgert sich Günter Lutz, Geschäftsführer des Deckenpfronner Entsorgungsfachbetriebs Willi Lutz.
Wer die Familie Lutz vollzählig antreffen möchte, geht am besten werktags ins Büro des in der Siemensstraße angesiedelten Unternehmens, das im kommenden Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Im Büro arbeiten ausschließlich Familienmitglieder und halten die Firma am Laufen der Entsorgungsbetrieb ist ein mittelständisches Familienunternehmen. Zudem sind zwölf Fahrer beschäftigt, die beispielsweise Kies, Schotter, Metalle oder Baustoffe befördern. "Wenn nicht alle Familienmitglieder mitschaffen würden, sähe es bei uns auch schlecht aus das ganze Geld wird in den Betrieb gesteckt", erklärt Alice Lutz, die im Büro werkelt.Für die Transporteure werden die Zeiten also auch nicht einfacher. Das neueste Ärgernis für das Deckenpfronner Unternehmen ist das Durchfahrtsverbot in Stuttgart: Die Maßnahme 1 sieht für 2006 ein Durchfahrtsverbot für Laster ab 3,5 Tonnen vor, ausgenommen ist nur die B 10 mit den Abzweigen in Richtung Waiblingen und Kornwestheim. Wenn die Lastwagen der Firma Lutz beispielsweise nach Waiblingen, Backnang oder ins Remstal gelangen wollen, verlassen sie gegenwärtig die A 81 bei Vaihingen, touren durch Heslach und die Stuttgarter Stadtmitte über Fellbach weiter in Richtung Rems-Murr-Kreis. Ab dem 1. Januar 2006 geht dies wegen des Stuttgarter Luftreinhalte- und Aktionsplanes nicht mehr: Die Deckenpfronner Brummis müssten entweder einen Umweg über die A 81 bis Zuffenhausen machen oder die A 8 bei Esslingen verlassen, um ans Ziel zu kommen das seien mindestens 16 Kilometer Umweg, wie Günter Lutz Sohn Markus am Computer errechnet hat. "Und die Autobahnen rund um Stuttgart sind auch eine Katastrophe", ergänzt er.Das am 1. Januar in Kraft tretende Durchfahrtsverbot leuchtet dem Geschäftsführer Günter Lutz ohnehin nicht ein: "Der Feinstaub wird doch nur verlagert", meint er. Lutz verweist darauf, dass beispielsweise beim Neckartor einem neuralgischen Punkt in Stuttgart zwar pro Tag 68 000 Fahrzeuge verkehren, darunter aber nur 4,6 Prozent Lastwagen. "Das Durchfahrtsverbot wird keine Wirkung haben, die man wirklich messen kann", glaubt Lutz, Delegierter im Verkehrsverband Württemberg. Seine Firma ist sowohl im Regionalverkehr tätig (beispielsweise nach Ulm, Augsburg oder Crailsheim) als auch im Fernverkehr etwa nach Italien oder Frankreich.Marc Frank, Pressesprecher beim Regierungspräsidium Stuttgart, verweist darauf, dass das Lkw-Durchfahrtsverbot nur ein Bestandteil eines ganzen Bündels von Projekten sei, um die Feinstaub-Belastung in der Landeshauptstadt zu mindern. "Durch das Verbot haben wir pro Tag 5 000 weniger Lastwagen in Stuttgart", sagt er. Pro Werktag quälen sich 55 000 Lastwagen über 3,5 Tonnen durch Stuttgart, vom Durchfahrtsverbot sind neun Prozent aller Lkw-Fahrten betroffen. Das RP begründet das Laster-Verbot auch damit, dass ein Lkw deutlich mehr Schadstoffe ausstoße als ein Auto. Daher trage der Schwerlastverkehr trotz geringer Verkehrsanteile beträchtlich dazu bei, dass die Schadstoffbelastung an den Hauptverkehrsstraßen hoch ist. Wer seine Lieferadresse in Stuttgart hat, darf aber weiterhin durch die Landeshauptstadt touren. Bei Kontrollen wird sich die Polizei deshalb auch die Frachtpapiere anschauen.Der Deckenpfronner Entsorgungsfachbetrieb bemüht sich derzeit darum, die Emissionen seiner Lkw-Flotte zu verringern. Einer der 13 Laster erfüllt bereits die Euro-5-Norm, die restlichen zwölf sind in Euro 1 bis Euro 3 klassifiziert. Zudem werden die Laster so umgerüstet, dass sie auch Rapsöl tanken können. Dass das Durchfahrtsverbot für alle Lastwagen gilt, unabhängig vom Schadstoffausstoß, findet Günter Lutz unlogisch: "Da braucht man sich nicht überlegen, teure Lastwagen anzuschaffen." Ab Juli 2007 spielt die Schadstoffklasse dagegen eine wichtige Rolle: Die M 2 beinhaltet bis Ende 2011 ein Durchfahrtsverbot in Stuttgart nur für Fahrzeuge der Schadstoffgruppe 1, der schlechtesten Gruppe. Die M 3 erweitert dieses Durchfahrtsverbot ab 2012 auch auf die Schadstoffgruppe 2.Nach den steigenden Spritpreisen und der Maut dürften auf die Transporteure also erneut höhere Kosten zukommen. "Wir sparen schon seit Jahren und sind langsam an einem Punkt, wo es kein Sparpotenzial mehr gibt", meint Markus Lutz. Die durch die Maut entstehenden Zusatzkosten beziffert Markus Lutz auf 3 000 bis 4 000 Euro pro Monat. Der Deckenpfronner Betrieb hat diese Aufwendungen an die Kunden weitergegeben. Dass der Schwerlastverkehr wegen der Maut verstärkt auf Bundes- oder Landstraßen ausweicht, glaubt Markus Lutz nicht: "Mit dem Sprit, den man vor roten Ampeln verbraucht, kann man viele Kilometer auf der Autobahn fahren." Ist die Bahn eine Alternative? Im Foyer des Deckenpfronner Firmenbüros hängt ein Foto: Ein Güterzug transportiert Lastwagen der Firma Lutz von Singen durchs Tessin bis Milano. Allzu begeistert vom Bahn-Transfer ist Günter Lutz aber nicht: Der Fahrplan sei unzuverlässig, die Kosten hielten sich die Waage. Vorteil des Schienen-Huckepacks ist, dass die Fahrer eine Pause einlegen können. Eines fällt der Familie Lutz im Ausland aber positiv auf: Lastwagen und deren Fahrer stünden im Ausland in weit höherem Ansehen als in Deutschland.


